Die Geschichte

Bielitz /(poln. Bielsko, tschech. Bilsko) – war bis 1950 eine selbständige Stadt im Teschener Schlesien. Ab 1951 wurde Bielitz mit dem Krakauer Biala verbunden, das heute den Ostteil der Stadt Bielitz-Biala darstellt. Beide Städte waren bislang durch den Fluß Bialka geteilt. Die Geschichte beider Städte ist ungewöhnlich interessant…

Die Geschichte von Bielitz
Über die Entstehung von Bielitz kann man aus vielen Legenden etwas erfahren. Gustav Morcinek beschreibt eine Legende, die besagt, daß an dem Ort des heutigen Sulkowski-Schlosses einmal Räuber waren, die Kaufleute und Bernsteinhändler überfielen, die zum Baltischen Meer strebten. Erst zurzeit von Boleslaus dem Tapferen wurde das Räuberschloß von Nachbarn erobert. Seit damals ist dieser Ort, der lateinisch „bilis“ hieß, in Vergessenheit geraten. Erst der Teschener Fürst Kasimir ha ihn bei der Jagd wiederentdeckt und befahl, dort ein Fürstenschloß zu erbauen und an einer der Wände die Gestalt des Räuberhauptmanns aufzumalen.
Der Namen Bielitz kommt von der Burg über der Bialka, die sog. „Bielitzer Burg“. Die Stadt, welche die Burg umgab, hieß Bielsk – später wurde sie in Bielsko umgewandelt (die ersten Informationen über diese Stadt sind aus 1315, als der teschen-auschwitzter Fürst Mieczyslaw III. den Bewohnern von Bielitz den Wald zwischen den Dörfern Kamitz und Nikelsdorf übergab.
Die erste Spur einer Besiedlung auf dem Gebiet vom heutigen Bielitz ist die Burganlage aus dem XII. Jahrhundert in Altbielitz. Die Burg war eine Produktionssiedlung mit Wehrcharakter. Sie war mit einem doppelten Wall mit Graben umgeben. Ihr Durchmesser war ca. 200 m, und die Oberfläche betrug 3,2 Hektar. Man weiß bis heute nicht, wie man diese Siedlung mit Altbielitz und der Stadt Bielitz in Verbindung bringen soll. Die Burganlage liegt an dem Handelsweg von Krakau nach Teschen und konnte die Rolle einer Wehranlage erfüllen. Diese Siedlung wurde 1400 durch einen Brand vollständig vernichtet.
In der Nachbarschaft der Burgsiedlung entstand in der 2. Hälfte des XIV Jh. das Dorf Altbielitz mit der Hl. Stanislaus-Kirche. Die allerälteste Ansiedelung des eigentlichen Bielitz ist die Gegend vom alten Bielitz. Das war der schroff nach Osten abfallende Hügel. Dort entstand im 13. Jh. auf Betreiben des Teschener Fürsten Kasimir ein Schloß. Allmählich wuchs rundherum eine Siedlung, die zwischen dem 13. und 14. Jh. das Stadtrecht erhielt. Es blieb uns die Gründungsurkunde zwar nicht erhalten, wir haben aber davon das genaue Datum der Verleihung der Stadtrechte. Die erste Erwähnung von Bielitz stammt aus 1312, wo Herzog Mieszko von Teschen seinen Bielitzern den Wald zwischen Nikelsdorf und Kamitz schenkte.
1316 bekamen die Bürger der Stadt vom Teschener Herzog Kasimir das Recht Gärten anzulegen und Wohnhütten zu bauen. Die nächste Erwähnung ist aus 1424, und genau aus dem Dokument, das die Erneuerung der Rechte von Bielitz erwähnt, worin von Mauern, Toren, Wällen sowie einer Zugbrücke die Rede ist, was zeigt, daß zu dieser Zeit die Stadt wehrhaft war. Also besaß die Stadt in diesem Jahrhundert schon Befestigungen, eine Pfarrkirche, und auch Selbstverwaltung. Die Stadtgrenze verlief entlang der Straßen: Schloßgraben, Kohlengasse, Josefstraße, Staffelgasse, und das System der Schloßbefestigungen schützte die Stadt.
1440 verliehen die Herzöge Wladyslaw und Przemyslaw von Teschen auf Bitte des Gemeindevorstehers der Stadt das Recht zur Salzlagerung. Waclaw III. Adam übergab Bielitz mit einigen Dörfern dem Kasper Wilczek aus Dobra. Der Sohn von Waclaw, Friedrich Kasimir war mit dieser Transaktion nicht zufrieden. Unter seinem Einfluß entfernte Waclaw Adam den Wilczek von seinen Gütern, die er dann seinem Sohn überwies. 1565 übertrug Friedrich Kasimir, der schon in Freistadt und Friedek herrschte, seinen Wohnsitz nach Bielitz. Friedrich Kasimir plante Bielitz an Georg Friedrich Hohenzollern zu verkaufen, starb jedoch 1751 vor der Durchführung des Vorhabens.
In späterer Zeit erhielt Bielitz viele neue Privilegien, z.B. zum Handel mit Fleisch, freie Lagerung von Salz. Handwerk, Weberei, Landwirtschaft waren damals die Hauptberufe der damaligen Bewohner. Es entstanden viele Vorstädte, die Saybuscher Vorstadt, die Nieder- und Obervorstadt. Ein bedeutender Aspekt der Stadt Bielitz war die Verschiedenheit der Religionen, die schließlich zu Zusammenstößen der Katholiken mit den Protestanten führte. Der erste Beweis ist der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648), der siegreich war für die katholischen Habsburger, den die Protestanten verloren. Das brachte jedoch riesige Menschenverluste und in der Urbanisation. Nach diesem Geschehen mußte die Stadt praktisch neu aufgebaut werden.
1659 wurde die Stadt von einer Feuersbrunst vernichtet: von der Zerstörung waren fast alle Gebäude einschließlich der Kirche und dem Rathaus betroffen. Ab 1752 hatte Bielitz einen neuen Besitzer. Den eng mit Wien verbundenen – Alexander Josef Sulkowski. Mit dem Umbau der Stadt wuchs die Bevölkerung, was mit der größer gewordenen Zahl der Bauinvestitionen gleich war. Die Mehrzahl der Häuser war schon gemauert, aber die Architektur war noch bescheiden und zögernd. Erst die Zeit der Industrialisation brachte Bielitz die schönsten Kulturschätze In der zweiten Hälfte des 18. Jh. war die Stadt eine bekannte Tuchstadt in der Republik. Die Industrialisierung der Stadt wurde möglich durch die ausgezeichneten Bedingungen für die Entstehung der Gewebe. Bald begann man Fabriken zu bauen und Manufakturen gerieten in Vergessenheit. Es folgte ein Ansturm von Investoren, die neue Wohnungen und Fabriken bauten, die sich in den Stadtcharakter gut einfügten. Die Bewohner wurden ein Finanzbürgertum. Dieser Sachverhalt führte zur Entwicklung eines intellektuellen und kulturellen Stadtmittelpunktes. Die ersten Fabriken erbaute man am Bialkafluß wegen des Wasserantriebs. Erst 1826 wurde eine erste Dampfmaschine in Betrieb genommen.
Zu Anfang des 19. Jh. unterschied man drei Hauptstadttele: die Altstadt, die Niederstadt und den Bielitzer Sion, das evangelische Viertel westlich von der Altstadt. Das 19. Jahrhundert brachte eine energische Stadtentwicklung. Bielitz wurde an das entstehende Eisenbahnnetz angeschlossen (1855 – direkte Verbindung mit Wien). Man schloß Bielitz an das staatliche Telegrafennetz an, nahm 1861 das Gaswerk in Betrieb und begann mit Gasbeleuchtung der Straßen, und 1893 erbaute man das Elektrizitätswerk; 1895 eröffnete man die Straßenbahnlinie (damals fuhren in Warschau und in Wien noch Pferdestraßenahnen; die Linie nach Zigeunerwald existierte bis 1971). Die ersten Telefone kamen 1883 und ein Jahr später entstand die automatische Telefonzentrale (die erste in Österreich).
Anfang des 20. Jh. bildeten die Deutschen die stärkste Bevölkerungsgruppe, die Juden 15 % der Bevölkerung. Die Polen stellten 1910 nur 15%. Nach Ende des 1. Weltkrieges versuchten die Deutschen Bielitz in das sog. Deutsch-Österreich einzufügen. Das gelang ihnen aber nicht, denn am 17. September nahmen polnische Truppen die Stadt ein. An der Jahreswende 1919/1920 besetzten englische Soldaten Bielitz, wegen dem Streit Polens mit der Tschechoslowakei um das Teschener Schlesien. Es sollte eine Volksabstimmung geben. Aber es kam anders und durch den Beschluß des Botschafterrates vom Juli 1920 wurde Bielitz mit dem wiederentstehenden Polen vereinigt.
Die Deutschen stellten im Zeitraum zwischen den Kriegen weiterhin die Hälfte der Stadteinwohner. Aber allmählich wuchsen die polnischen Einflüsse. 1930 gab es seit Hunderten von Jahren den ersten polnischen Bürgermeister. Die Juden stellten ca. 20 % der Einwohner. Eine solche kulturelle Mischung lehrte aber Toleranz und bereicherte die Kultur in der Stadt. 1938 bezog man die Nachbarorte in die Verwaltungsgrenzen der Stadt ein.
Am 3.September 1939 trat das Militär des 3. Reiches in Bielitz ein, unterstützt von den deutschen Bewohnern. Im Oktober dieses Jahres wurde Bielitz und ganz Teschener Schlesien ins 3. Reich eingegliedert. Während des Krieges pulsierte die Stadt voller Leben und die Wirtschaft arbeitete für das 3. Reich.
Im Februar 1945 trat die Rote Armee in Bielitz ein. Auf dem Gebiet der Städte Bielitz und Biala begannen ihre Tätigkeit die Nationalen Streitkräfte (Tätigkeit der Nationalen Bewaffneten Kräfte in Bielitz-Biala). Bielitz überstand den Krieg ohne größere Schäden. Die Macht wurde von den Kommunisten übernommen. Die Deutschen flohen oder wurden ausgesiedelt. Die Stadt wurde von Warschauern besiedelt, von Polen aus den Ostgebieten sowie Juden aus ganz Polen. 1946 wurden die Wirtschaftsbetriebe verstaatlicht.
Ab 1951 bildet Bielitz zusammen mit Biala eine einzige Stadt. Bielitz-Biala hat den Beinamen „Stadt der 100 Gewerbe“ im Hinblick auf seine Vielfalt an Branchen seiner Produktionsbetriebe. Und irgendwie bestätigt das auch die in Polen geringste Arbeitslosigkeit von 6 %. Bis zu den Jahren 1990 dominierte die Textilindustrie, (das zweitgrößte Zentrum nach Lodsch), und das elektrotechnische Gewerbe.


Die Geschichte von Biala
Die erste Erwähnung von Biala stammt aus 1564, als dieses kleine Dorf aus 13 Hütten bestand und unter der Aufsicht der Landräte von Lipnik stand. Diese Siedlung entstand auf dem sog, Kamieniec (Steinfeld). Erst am Anfang des 17. Jh. trennte sich diese Siedlung von Lipnik und begann sich selbständig zu entwickeln. Zur Mitte des 17. Jh. zählte sie ca. 150 Bewohner, wodurch sie das benachbarte Lipnik übertraf. Schon damals waren die meisten Bewohner Polen, was zu seiner schnelleren Entwicklung beitrug. Die Bewohner der Siedlung befaßten sich von Anfang an mit Weben und Spinnen. Dank den Dekreten und Privilegien, die die Siedlung bekam, konnte man seine Neigungen entwickeln und verbessern. 1723 bekam Biala das Stadtrecht, was noch mehr zur Entwicklung beitrug. 1757 bekam Biala von August dem Starken das große Stadtprivileg, aufgrund dessen die ersten Zünfte der Handwerker entstanden, und 1766 gab es die ersten Manufakturen. Die Hautverkehrsachse der Stadt wurde die Straße Krakowska (Krakauer) (heute Hauptstraße – ul. 11 Listopada) und die 2 daran liegenden Ringplätze. Die Mehrzahl der Einwohner waren damals die Protestanten, die 1730 und 1757 die Privilegien der Religionsfreiheit erhielten. Damals erhielten die bielitzer Handwerker die Zunftstatuten. Die Stadt wurde ein starkes Tuchmacherzentrum und war auch durch den Handel berühmt. Biala trug sich in die Geschichte Polens durch die Episode der Bar’schen Konföderation damals ein, als es für 2 Jahre der Hauptsitz der Macht der Konföderanten wurde. Vor der ersten Teilung Polens war die Stadt als stärkstes Zentrum der Tuchmacherei in West-Kleinpolen anerkannt. Nach der Teilung Polens fand sich Biala innerhalb der Grenzen Österreichs wieder. Die Deutschen begannen ihren Einfluß zu verstärken und sie konnten die Tuchmacherei in das Textilfabrikengewerbe umwandeln. Nach 1855 machte man Biala zum Sitz des Kreises. Der allerwichtigste Zeitabschnitt war für Biala die Industrialisierung als viele deutsche und jüdische Betriebe hinzu kamen. Im Zusammenhang damit steht der Nationalitätenkonflikt, der die Deutschen von den Polen absonderte.
Gegen Ende des 19. Jh. begannen die Deutschen die Stadt Biala zu germanisieren, indem sie den Straßen deutsche Namen gaben und Deutsch zur Amtssprache machten. In der gleichen Zeit begann die jüdische Bevölkerung anzuwachsen, die 1910 schon 15 % der Stadtbewohner ausmachte. In der Reaktion darauf bildeten die Polen die Volksbewegung, welche die Unterstützung der ganzen polnischen Bevölkerung bekam und die Bekämpfung der Germanisierung durch die Deutschen ermöglichte. Nach 1918 kam Biala zur Wojewodschaft Krakau und begann sich sehr schnell zu polonisieren. Ein Jahr vor dem 2, Weltkrieg machten die Polen schon 60 % der Bevölkerung der Stadt aus, jedoch die Juden und die Deutschen bestimmten während der ganzen Zeit das Wirtschaftsleben von Biala.
Im 2. Weltkrieg wurde Biala nach Bielitz eingemeindet. Zu dieser Zeit entstanden auf dem Gebiet von Biala viele polnische Untergrundorganisationen, Die Stadt wurde von Sowjettruppen 1945 nach der Schlacht mit den deutschen Streitkräften bei Alzen befreit. Nach dem Krieg behielten die Behörden von Krakau die Stadt Biala in ihrer Wojewodschaft, bis zur Vereinigung mit Bielitz im Jahre 1951. Biala holte Bielitz mit dessen Dynamik niemals ein. Außer dem war Biala der um vieles ärmere Teil. Jedoch in der Zeit der Teilung Polens herrschte in Biala, im Vergleich zu seinem Nachbar ein außergewöhnlicher Friede und es wirkte wie ein Bollwerk.

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